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Hamburg - Mittwoch, den 10. März 2010 |
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Restaurant NAGEL Bodega - Bierstube
Öffnungszeiten: So-Do: 10 - 1 Uhr
Warme Küche: So-Do: 10 - 0 Uhr
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Meine müde Leber möge mir vergebenDer norwegische Autor Ingvar Ambjörnsen über seine Lieblingskneipe "Nagel" in St.Georg Ich stehe in der Schuld einer ganzen Reihe von Kneipen in Norwegen und in Deutschland. In der Regel handelt es sich dabei um unbezahlte Getränkerechnungen. Die Schuld, in der ich bei der Bodega Nagel in St.Georg stehe, ist von etwas anderer Art. Es geht hier um die geistige Schuld, die ein Schriftsteller in einem für sein Werk wichtigen Lokal so nach und nach erwirtschaftet. Im Nagel habe ich nie auch nur eine einzige Zeile geschrieben. Aber ich habe mir dort eine ganze Reihe von Romanen und Erzählungen zusammengeträumt. Und eine ganze Reihe von dieser Reihe habe danach wieder verworfen, weil sie nur auf feuchten Bierdeckeln leben konnten, aber nie und nimmer zwischen den trockenen Einbanddeckeln eines Buches. Dennoch; jedes einzelne Bier, jeder einzelne Wein waren eine Investition in meine Zukunft. Meine müde Leber möge mir vergeben. Was aber ist das Besondere am Nagel? Vermutlich gar nichts. Abgesehen natürlich von der lebensgefährlichen Treppe zu den Klos, die den erschöpften Gast zu existenziellen Überlegungen anregt. Wichtiger aber als die Gefahr für Leib und Leben und die Drohung eines jähen Todes ist dieses Etwas, diese Kraft, die manche magischen Orte nun einmal ausstrahlen. Der Urmensch hatte seine heiligen Berge und Quellen, wir urbanen Kreaturen hingegen müssen uns mit Hilfe von Brieftasche und Stimmung auf die Suche nach dem Magischen machen. Das Nagel war das erste Lokal, in dem ich mir die Kehle angefeuchtet habe, als ich per Zug aus Norwegen ausgewandert bin. Und da bin ich dann auch gleich hängengeblieben.
Ich habe sieben Jahre in St.Georg gelebt, und die Kneipe in der Kirchenallee wurde sozusagen zu einem naturgegebenen Anbau an meinem Arbeitszimmer. Was mich, als Norweger, in erster Linie beeindruckte, war die menschliche Vielfalt, die sich dort tummelte, die Tatsache, dass Direktoren, Punks, Polizisten und Arbeitsvolk sich unter demselben Dach voll laufen ließen. Dazu kam die unvorstellbare europäische Professionalität der Kellner. Für einen Norweger, der es gewohnt ist, höchst unsanft vor die Tür geworfen zu werden, sowie er seine Brieftasche leer getrunken hat, war es ungeheur beeindruckend, mit ansehen zu dürfen, wie der schlafende Gast in der Ecke aufs Freundlichste und mit einem frisch gezapften Bier geweckt wurde. Es fiel mir wie Schuppen von den Augen - ich erkannte, welchem Elend ich entronnen war. In sieben Jahren in St.Georg entwickelt man eine Hasslieb zu diesem Stadtteil. Ich musste zum Zeugen jäher destruktiver Veränderungen werden: Die Postbotin, die jeden Morgen im Blauen Mond Korn trank und die Post trotzdem irgendwie zustellte, ist verschwunden, die Lange Reihe aufs Gnadenloseste schickimisiert, dem Hansatheater droht der Garaus - mitten zwischen Crack, Heroin und schiffsbrüchigen Pauschaltouristen aber ist und bleibt das Nagel sich immer treu. Und noch jetzt, nach acht Jahren am Grindel, ist jeder Besuch im Nagel wie ein Spaziergang in meine glückliche Vergangenheit. Die alten Kellner sind verstorben oder in Frührente gegangen, die neuen aber sind derselben Quelle entsprungen, sind großzügig, witzig und klug. Eine Behandlung als Stammgast ist noch immer für weniger als zwanzig Mark zu haben. Vielleicht ist das die eigentliche Magie des Nagel. Ingvar Ambjörnsen ist in Südnorwegen aufgewachsen, seit Mitte der Achtziger lebt er in Hamburg. Er schreibt auf Norwegisch, seine Frau Gabriele Haefs übersetzt die Texte. Im Herbst erscheint im Carlson Verlag ein weiterer Band der Samson & Roberto Kinderbuchreihe: "Wie finden wir das denn?"
Erschienen in: Die Welt am 13.08.2001 - Dichter schreiben über mein Hamburg
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| © 2010 Nagel - Restaurant Bodega Bierstube - Hamburg | ||||||||||||||||||||||||