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Hamburg - Mittwoch, den 10. März 2010 |
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Restaurant NAGEL Bodega - Bierstube
Öffnungszeiten: So-Do: 10 - 1 Uhr
Warme Küche: So-Do: 10 - 0 Uhr
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Das Kneipen-Denkmal von der KirchenalleeSeit 1848 existiert am Hauptbahnhof Nagels Bierstube & Bodega Bar Ein sagenhafter Betrieb, an dem sich beweist, daß ein Etablissement sich auch dann 144 Jahre hält, wenn es nicht ständig umgemöbelt und auf modern getrimmt wird. Nagel am Hauptbahnhof?! - Ein Leuchten geht über zumeist leicht ergraute Gesichter: "Damals, vor bald einem viertel Jahrhundert, haben wir Untauglichen und beschränkt Tauglichen uns freitagabends mit den Freunden vom Bund getroffen, wenn die auf Wochenendurlaub mit der Bahn kamen. Zwei Bier gekippt und dann überlegt, was wir jetzt noch anstellen. Oftmals sind wir in Nagels Bierstuben hängengeblieben. Schwer in Ordnung der Laden!" Oder: "Oh, heiße Erinnerung! Die schärfste kann ich wegen Strafwürdigkeit nicht ausplaudern. Früher, in den 60er Jahren, wenn wir richtig vollgekifft waren und plötzlich einen fürchterlichen Brand bekamen, war Nagel die einzige Gastwirtschaft, wo´s morgens früh um vier noch flaschenweise Sprit zu normalen Ladenpreisen gab." Oder: "Als ich noch jung war, bin ich regelmäßig hingegangen. Lieblingsessen damals Strammer Max oder Schinkenbrot. Leute, die mich in Hamburg besuchten, hab ich da hin geschleppt. Alle, meine Mutter inklusive, waren immer begeistert. Und als wir mal gut Geld hatten, haben wir auch mal ein Taxi zu Nagel geschickt und uns Schaumwein kommen lassen. Nagel ist sehr gut sortiert, die Leute haben Ahnung, und die Weinliste ist für Kenner. Der Laden ist einfach ein Denkmal!" Ohne Zweifel. Nagels Bierstube & Bodega an der Kirchenallee ist ein rühmenswertes Etablissement, ein Relikt, an dem sich beweist, daß ein Geschäft sich auch dann hält, wenn es nicht ständig umgemöbelt und auf modern getrimmt wird.
Abschreckende Beispiele finden sich im direkten Nagel-Umfeld zuhauf, wo Nepp-Hamburg wuchert. Mittenmang Nagel als Geschichten-trächtige Bastion. Wie es lebt und aussieht, noch etwas länger. Schließlich ist die Lokalität ein - für Hamburger Verhältnisse - uralter Laden. Etabliert im Revoluzzerjahr 1848 und innerlich eher bescheiden. Gleich hinterm Eingang geht´s zweiteilig ab. Rechts der Kaufmannstresen mit der überbordenden Getränke-Ausstellung samt Leiterchen für die obersten Regale im Hintergrund. Die Flaschenwelt auch eine Augenweide für Teetotaler (so nennt man Abstinenzler im Englischen). Links ab in den eigentlichen Gastraum. Vorne zu ebener Erde fast mit Ladenfenster-Blick auf den Kirchenallee-Betrieb,hinten auf höherer Ebene und mit einem Zäunchen abgegrenzt noch ein Abteil. Tische, Stühle, Bänke schlicht und unschick.
Morgens so gegen neun, wenn die Stadt allmählich in die Hufe kommt und der Nagel-Betrieb in die Gänge, fällt das mehr auf als in den Zeiten, wo das Wirtschaftsleben hier überschäumt und eine wahrhaft buntgewürfelte Gesellschaft unter Rauchschwaden und Kronleuchtern spektakelt, trinkt und verzehrt. "Das Nagel ist für reich und arm da", ist im Bändchen "Hamburg zwischen Sekt und Selters" zu lesen und: "Kein böses Wort über Hamburgs übrige 100000 Kellner, aber die Nagel-Jungs gehören zur absoluten Spitzenklasse: bis in die Fingerspitzen Profis, mit weitem, warmen Herzen hinter den schwarzen Westen. Wer von ihnen abgewiesen wird, sollte sich wirklich ein paar grundlegende Fragen stellen." Der Berichterstatter, ein Kneipenmuffel mit nur wenigen, über Jahrzehnte verteilten Nagel-Erfahrungen, kann da nur voll mitsingen. Prost also aufs Nagel und die Belegschaft dort und - daß es so bleibt, wie es ist!
Erschienen in: TAZ Hamburg am 12.06.1992 - Ein Artikel von Paul Kulms
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